Reward-based Crowdfunding als Instrument der Gründungsförderung?

Meinungsbeitrag von Markus Sauerhammer (Startnext)

Reward-based Crowdfunding hat das Potenzial, die Effizienzvorteile der Digitalisierung auf die Gründungsförderung zu übertragen. Während andere Länder bereits erste Programme umsetzen, blieb es in Deutschland bislang nur bei einem vagen Lippenbekenntnis im Koalitionsvertrag.

Kombination von Markttest, Marketing und Finanzierung zur Validierung von Gründungsidee und Gründer(team)

Durch Crowdfunding kann man eine Idee relevanten Zielgruppen präsentieren und sein Angebot bereits vorab zum Kauf anbieten. Nur wenn genügend Menschen die Idee unterstützen und dadurch die Fundingschwelle erreicht wird, erhält der Gründer das Geld und sein Vorhaben wird realisiert.

Die meisten Gründer scheitern eben nicht an der Finanzierung der Gründungsidee, sondern daran genügend Kunden zu gewinnen. Die Gründe sind unterschiedlich: mal bietet das Angebot zu geringe Mehrwerte gegenüber bestehenden Alternativen, dann wird die falsche Zielgruppe adressiert oder jemand kann einfach nicht verkaufen.

Crowdfunding verknüpft hier die Kundenakquise direkt mit der Finanzierung. Es erfolgt ein Markttest bei relevanten Zielgruppen und führt dadurch zu einer ersten Validierung von Gründer(team) und Geschäftsidee. Diese erfolgt hier nicht mehr durch einen Gatekeeper außerhalb der eigentlichen Zielgruppe, sondern durch den Garanten eines nachhaltigen Unternehmenserfolges: den Kunden!

Neue Gründerzeit durch transparenten und partizipativen Gründungsprozess

Crowdfunding bietet nicht nur Vorteile für die Gründer und Kunden. In dem Thema schlummert das Potenzial für eine neue Gründer- und Innovationskultur. In der analogen Welt fand der Gründungsprozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Crowdfunding ist eine Weiterentwicklung der sozialen Vernetzung im Netz, wodurch viele Menschen in den Gründungsprozess integriert werden. Dies inspiriert auch andere Menschen eigene Vorhaben umzusetzen und bietet die Chance dem Unternehmertum wieder sein ursprüngliches Image zurückzugeben: Die Realisierung von Ideen mit einem Mehrwert für unsere Gesellschaft – oder zumindest für die relevante Zielgruppe.

Während unsere Bundesregierung keine Möglichkeit auslässt zu betonen, wie wichtig die Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes ist, stecken deren Instrumente zur Gründungsförderung weiter im analogen Zeitalter fest. Dabei böte eine Koppelung klassischer Förderinstrumente an das reward-based Crowdfunding enorme Vorteile für alle Seiten.

Über den Autor:
Markus Sauerhammer ist seit Juni 2015 bei der Crowdfunding-Plattform Startnext für die Kooperationen zuständig. Davor hat er in fünf Jahren bei der IHK München mehr als 1.000 Gründer auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet und erste Angebote zum Crowdfunding aufgebaut.

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