Rettung von Verlustvorträgen in Sicht?

Für Startups ist es oft eine echte Herausforderung, Investoren von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen. Insbesondere dann, wenn z.B. aufgrund hoher Entwicklungskosten zunächst mit Verlusten gerechnet werden muss. Und schreiben Startups Verluste, wirft ihnen das deutsche Steuerrecht derzeit einen weiteren Stein in den Weg: Verluste eines Unternehmens werden nur eingeschränkt unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich berücksichtigt.

So gehen nach geltendem Steuerrecht Verlustvorträge einer Kapitalgesellschaft (d.h. Verluste aus Vorjahren) komplett oder teilweise verloren, wenn mehr als 25 Prozent der Gesellschaftsanteile veräußert werden (§ 8c KStG). Dies gilt z.B. auch, wenn Investoren einsteigen. Die damit einhergehenden steuerlichen Belastungen führen dazu, dass das Unternehmen für Käufer und Investoren weniger interessant wird.

Geltendes Recht soll erweitert werden

Dieses Problem hat auch das Bundesfinanzministerium (BMF) erkannt und schlägt in einem Referententwurf nun die Erweiterung des geltenden Rechts um einen neuen Paragrafen vor. Nach der vorgeschlagenen Neuregelung bleiben die Verlustvorträge erhalten, wenn das Unternehmen den vorhandenen Geschäftsbetrieb fortführt. Der Geschäftsbetrieb darf aber z.B. nicht einem andersartigen Zweck zugeführt oder um einen anderen Geschäftsbetrieb erweitert werden. Denn in diesen Fällen geht der Verlust doch wieder unter und wird steuerlich nicht berücksichtigt.

Offen bleibt, wie genau diese Regelung auszulegen ist und ob sie für Zwecke der Startup-Finanzierung nicht zu eng ist. Denn die Erweiterung der Produktpalette, die Übertragung des Geschäftsmodells auf weitere Anwendungsfelder oder ein Pivot, also eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells, zum Beispiel durch den Schwenk eines B2B- auf ein B2C-Geschäftsmodell oder durch die Konzentration auf eine neue Zielgruppe, kommt bei Startups häufig vor. Solche Anpassungen des Geschäftsmodells müssen ohne Gefährdung von Verlustvorträgen möglich sein, wenn mit der Neuregelung eine tatsächliche Verbesserung der Startup-Finanzierung erreicht werden soll.

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