Kleine Geräte, große Aufregung: Fitnesstracker

Fitnesstracker haben vor kurzem für viel Zündstoff gesorgt. Der Grund: Eine weitere Krankenkasse hat angekündigt, die Anschaffung dieser Geräte, zu denen auch die Apple Watch gehört, zu bezuschussen. Eine sachliche undogmatische Diskussion ist dringend notwendig. Fünf Gründe, warum es keinen Grund für große Aufregung gibt:

  1. Bewegungsarmut ist eine der Hauptursachen für viele Zivilisationskrankheiten (vgl. z.B. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Gutachten 2014 S. 488), darin sind sich Mediziner so einig wie in kaum einem anderen Punkt. Und dennoch fällt es vielen Menschen schwer, sich zu mehr Bewegung aufzuraffen. Fitnesstracker können das ändern – indem sie auf simple, spielerische Weise motivieren. Es spornt an, wenn man sieht, wie viele Kilometer man zurückgelegt, wie viele Kalorien dabei verbraucht wurden und dass man schon deutlich mehr Situps schafft als noch vor einer Woche. Man tritt in einen Wettkampf mit sich selbst beziehungsweise mit anderen, sofern man seine Trainingsergebnisse teilen will – mit seinen Freunden und Bekannten über Soziale Netzwerke wohlgemerkt, nicht mit seiner Krankenkasse.
  2. Dass es funktioniert, dafür sprechen die hohen Nutzerzahlen. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage verwenden bereits heute sechs von zehn Hobbysportlern Hightech-Geräte beim Training, darunter Smartphones, Pulsmessgeräte oder Schritt- und Kalorienzähler. Das entspricht 34 Millionen Menschen. Manche hören schlichtweg Musik beim Joggen übers Smartphone, aber viele nutzen auch Fitnessfunktionen, um ihre Trainingserfolge zu dokumentieren, zu kontrollieren, zu optimieren.
  3. Bereits heute belohnen viele Krankenkassen eine gesunde Lebensweise mit Prämien. Dahinter steckt der simple Gedanke, dass Vorsorge besser ist als Nachsorge – gesundheitlich wie finanziell. Die Kritik, hier erhielten Einzelne Geschenke „auf Kosten der Solidargemeinschaft“, ist deshalb unbegründet: Vorsorge kostet so gut wie immer weniger als die Behandlung von Krankheiten. Und Fitnesstracker tragen zu einer gesunden Lebensweise, also zur Vorsorge bei.
  4. Kritiker weisen darauf hin, dass der Besitz eines Fitnesstrackers an sich noch kein Fünkchen fitter macht und dass die Geräte anders als die von manchen Krankenkassen geförderten Fitnesskurse keine „qualitätsgesicherte Maßnahme“ seien. Tatsächlich ist noch kein Fall spontaner Sixpack-Bildung beim Kauf einer Smartwatch dokumentiert. Die Kassen setzen in diesem Fall auf Vertrauen statt Kontrolle, auf Motivation statt Vorschriften – und das ist auch gut so. Erfolgreiches Training lässt sich ohnehin nicht wirklich von außen kontrollieren. Keine Kasse erfährt, ob sich der Versicherte nach der qualitätsgesicherten Spinning-Stunde auf der Couch mit einer Tüte Chips für die Schinderei belohnt. Der Erfolg jedes Fitnessprogramms steht und fällt mit Selbstdisziplin und Motivation. Genau hierfür sind Apps und Wearables gut. Selbstredend sollte auch dabei hingeschaut werden, welchen Nutzen sie im Einzelnen für Training, Rehabilitation oder bei der Gewichtskontrolle haben.
  5. Zum Datenschutz nur soviel: Bei dem Zuschuss für die Fitnesstracker geht es nur um die Geräte, nicht um die Daten, die mit ihnen erzeugt werden. Die fallen nämlich gar nicht bei den Kassen an und die können auch nicht darauf zugreifen. Der Nutzer muss sich aber überlegen, wer diese Daten sammelt, ob er ihm vertraut und ob und mit wem er die Daten sonst noch freiwillig teilen möchte.
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