IT-Fachkräfte im Ausland werben? Gar nicht so einfach!

Deutschland mangelt es an Programmierern, Business-Analysten und sonstigen IT-Experten. Aktuell werden rund 43.000 IT-Spezialisten gesucht. Vergebens! Dabei wird der Bedarf an Fachkräften im Zuge der digitalen Transformation weiter steigen. Insbesondere Startups suchen händeringend nach Tech-Talenten und greifen dabei gerne auf ausländische Fachkräfte zurück, denn hier finden sich zuhauf geeignete Kandidaten mit Nerd-Faktor. Das Problem dabei ist, dass sich der Einstellungsprozess mitunter lange hinziehen kann. Während die Stellenbesetzung bei einer Suche im Inland in drei Viertel (68 Prozent) der Fälle innerhalb von neun Monaten abgeschlossen ist und in jedem vierten Fall (23 Prozent) sogar weniger als drei Monate dauert, ist der Zeitaufwand im Ausland deutlich höher.

Rechtliche Unsicherheiten ziehen Einstellungsprozess in die Länge

Bei Bewerbern aus dem EU-Ausland kommt es nur in jedem zweiten Fall (53 Prozent) binnen neun Monaten zur Einstellung. Handelt es sich bei dem geeigneten Kandidaten um einen Nicht-EU Bürger dauert der Rekrutierungsprozess in zwei Dritteln der Fälle (65 Prozent) sogar länger als ein Jahr. Das ist das Ergebnis einer Bitkom-Umfrage unter Unternehmen aus allen Branchen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit der Rekrutierung ausländischer Fach- und Führungskräfte beschäftigt haben. Schuld ist der hohe bürokratische Aufwand. Geeignete Kandidaten sind über Online-Plattformen und Recruiting-Netzwerke wie Xing und Linkedin schnell gefunden. Nicht selten scheitert eine Einstellung aber an rechtlicher Unsicherheit: Das betrifft die Anerkennung von Abschlüssen ebenso wie Fragen des Aufenthaltsrechts. Dabei sehen die hier ansässigen Unternehmen in ausländischen IT-Experten einen klaren Wettbewerbsvorteil –nicht zuletzt um in Zeiten eines immer schneller werdenden Innovationstempos überhaupt noch mitspielen zu können.

Die digitale Transformation und die Entstehung digitaler Geschäftsmodelle lässt gleichzeitig die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte steigen. Gefragt sind besonders digitale Kompetenzen. Doch hier sieht es bei deutschen Kandidaten nicht allzu rosig aus: Sechs von zehn Unternehmen glauben, dass Fach- und Führungskräfte in Deutschland im internationalen Vergleich über eine unterdurchschnittliche Digitalkompetenz verfügen. Ein Grund mehr, weshalb sich Deutschland im „war of talents“ auch im Ausland als attraktiver Arbeitgeber präsentieren muss. Dafür müssen nicht nur die Zuwanderungsregeln verbessert werden, es braucht auch eine echte Willkommenskultur. Nur so können hochqualifizierter IT-Experten und Gründer erfolgreich integriert und Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert werden.

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