Hausbank adé: Verbraucher entdecken FinTechs

Die Digitalisierung hat viele einst etablierte Geschäftsmodelle aus dem Markt gedrängt und ganze Branchen verändert. Die Musikindustrie, Verlage oder stationäre Händler haben dies bereits schmerzvoll erfahren. Weltweilt arbeiten gerade unzählige Startups daran, den nächsten Wirtschaftszweig auf links zu ziehen: die Finanzindustrie. Allein in Deutschland bieten knapp 100 FinTechs  alternative  Lösungen rund um Banking, Kredite, Versicherungen oder Zahlungsverkehr an.

Ihr Vorteil: Der konsequente Einsatz von neuen Technologien wie Big Data Analytics oder Cloud-Diensten. Prozesse werden automatisiert, riesige Datenmengen schneller verarbeitet, Dienstleistungen können weltweit angeboten werden. Das alles zu geringeren Kosten. Damit liegen die Barrieren für den Markteintritt junger Unternehmen im Finanzbereich heutzutage deutlich tiefer als noch vor einigen Jahren.

Denn auch das Kundenverhalten hat sich geändert. Junge Verbraucher haben sich vor allem über die Mechanismen der Sozialen Netzwerke an schnellere Kommunikation gewöhnt: Wer eine Dienstleistung anfragt, möchte direktes Feedback darauf haben. Diese Entwicklung greifen FinTechs zumeist besser auf als etablierte Unternehmen.

Und der Markt hat Potenzial: Jeder fünfte deutsche Internetnutzer ab 14 Jahren kann sich schon vorstellen, etwa Darlehen oder die Vermögensverwaltung über Finanzdienste von Technologieunternehmen abzuwickeln. Das entspricht 12 Millionen potenziellen Kunden in Deutschland. Wenn es um alternative Anbieter geht, interessieren sich Verbraucher noch besonders dafür, Kredite aufzunehmen. Möglich machen dies beispielsweise Plattformen mit dem Prinzip des Peer-to-Peer-Lending. Dabei leihen sich Privatpersonen untereinander Geld und generieren Zinseinnahmen.

Aber auch außerhalb des Kreditbereichs müssen Verbraucher immer seltener bei einer Universalbank anklopfen, um eine entsprechende Leistung zu erhalten. Zum Beispiel im Wertpapierhandel: Über sogenannte Social-Investing-Plattformen können sich Anleger an den Portfolien von erfolgreichen Tradern orientieren. Wer als Trader besonders viele Follower auf sein Portfolio verzeichnet, profitiert von höheren Kommissionen der Plattformbetreiber.

Selbst im Devisengeschäft können Verbraucher von neuen Plattformen profitieren nach dem Motto: Biete Rand suche Rubel. Das alles in höherer Geschwindigkeit und zu geringeren Kosten als beim Standard-Geldinstitut.

Neue Banking-Plattformen und alternative Anbieter fordern den etablierten Bankensektor heraus, machen ihn aber noch nicht überflüssig. Denn bei vielen Lösungen fungieren Banken als Mittler oder wickeln den Zahlungsverkehr ab. Trotzdem gilt:  Der Wandel ist auch im Finanzsektor nicht aufzuhalten.

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.