Get Started Policy Pitch, oder wenn Politiker nur vier Minuten Redezeit haben

Keine hundert Tage sind es noch bis zur Bundestagswahl und deshalb wollten wir von CDU, SPD, Linken, Grünen und FDP wissen, mit welcher Start-up- und Digitalpolitik sie in den Wahlkampf ziehen. Beim gestrigen Get Started Policy Pitch in Berlins ältestem Ballhaus hatten Prof. Dr. Helge Braun, Hubertus Heil, Dr. Petra Sitte, Kerstin Andreae und Christian Lindner vor rund 200 Gästen die Gelegenheit, zu zeigen, wie Start-up freundlich ihre Wahlprogramme sind. Und das – ganz Start-up like – im Pitch-Format: Vier Minuten hatte jeder Politiker Zeit, um das Programm seiner Partei zu pitchen. Anschließend konnte die Jury, bestehend aus den Gründern Chris Bartz (Elinvar), Verena Hubertz (Kitchen Stories), Jörg Land (Tinnitracks) und Raffaela Rein (CareerFoundry) Fragen stellen und kritisch nachhaken.

Eva Schulz moderierte den Policy Pitch

Eva Schulz moderierte den Policy Pitch

Laissez-Faire-Jahr für Gründer und das Premiumprodukt der CDU

Den Auftakt machte Dr. Petra Sitte, 1. Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken. Sie forderte, dass Gesetze klare Regeln treffen müssen und dass keine Widersprüche bei der Gesetzgebung entstehen. Außerdem sprach sie sich dafür aus, Open Data und Open Government besser zu verbinden und sprach von einem Laissez-Faire-Jahr für Gründer,  in dem diese die Chance haben, ihre Geschäftsidee zu entwickeln und nicht mit einem Berg an Bürokratie und zahlreichen Amtsgänge beschäftigt sind.

Anschließend hatte Helge Braun, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, die Bühne vier Minuten für sich. Die CDU, so Braun, will in der nächsten Legislaturperiode eine steuerliche Forschungsförderung einführen, um – neben der Neuformulierung der Verlustvorträge – zwei Instrumente zu haben, die die Besteuerung von Finanzierung und Kapitalgewinn in die Balance bringen. Auch auf das „Premiumprodukt“ der CDU ging Braun ein und stellte den USP von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor: Weltweite Bekanntheit, positives Markenimage und 43,5 Prozent Marktanteil bei der letzten Wahl.

Eine Kultur der zweiten Chance, 25.000 Euro für Gründer und ein Digitalminister

Die Jury des Get Started Policy Pitch

Die Jury des Get Started Policy Pitch

Als nächstes stellte sich Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD der Jury und präsentierte die Sozialdemokraten als die Partei in Deutschland mit der größten Erfahrung im Change Management. Außerdem warb Heil um die Gunst der Gründer mit dem „Produktportfolio“ der SPD, das vor allem die Themen Wagniskapital, Bildung, Gigabit und die Zweite Chance umfasst. Heil: „Wir brauchen eine Kultur der zweiten Chance und das nicht nur für die SPD und Martin Schulz in Umfragen, sondern auch für Gründerinnen und Gründer.“

30 Folien in vier Minuten – dass das möglich ist, hat Kerstin Andreae beim Policy Pitch bewiesen. Im Stakkato-Tempo präsentierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen die Start-up-Politik ihrer Partei. In Deutschland gebe es zu wenig Grüne und zu wenig Gründer, so Andreae. Um letzteres zu ändern, wollen die Grünen daher ein Gründungskapital einführen: 25.000 Euro als zinsloses Darlehen, das Gründer einmalig ohne großen Bürokratieaufwand erhalten. Weitere Pläne der Grünen? Deutschland soll grüner werden, Europa soll grüner werden und „weil wir heute so gut drauf sind und denken, jetzt ist der Bundestagswahlkampf, natürlich auch die ganze Welt“, so Andreae.

Dass wir in Deutschland eine Kultur der zweiten Chance brauchen und dass die FDP dabei der richtige Ansprechpartner ist, erklärte Christian Lindner: „Denn mit dem Scheitern hat die FDP Erfahrung.“ Der Bundesvorsitzende der FDP stellte außerdem einen 5-Punkte-Plan vor, mit dem seine Partei die Digitalisierung in Deutschland beschleunigen will und forderte einen Digitalminister, der das Ganze umsetzt.

 Deutsche Gründerszene, politische Gründerszene

Im Anschluss an die Pitches diskutierten Jury und Politiker noch weiter darüber, was die Politik tun kann, um Deutschland noch gründerfreundlicher zu gestalten und auch das Publikum konnte Fragen an die Runde richten.

Digitalpolitik  ist nicht nur für die deutsche Start-up-Szene, sondern auch für die etablierten Parteien ein wichtiges Thema. Das haben gestern nicht nur fünf Spitzenpolitiker bewiesen, die sich bereitwillig auf das Format eingelassen haben, sondern auch die vielen Zuschauer, die sich trotz Starkregen und Unwetterwarnung zum Ballhaus Berlin durchgekämpft haben. Danke dafür!

 

 


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