Fünf Fragen an: CommneX

CommneX ist eines unserer 450 Get Started Mitglieder, die mit ihrer Idee wirklich auffallen: Das Münchner FinTech Startup hat einen Online-Marktplatz eingerichtet, auf dem Kommunen und kommunale Unternehmen ihren Kreditbedarf ausschreiben können. Sie erhalten dann von den angeschlossenen Banken und Geldgebern passende Angebote übermittelt. Damit hat sich CommneX auf ein Problem konzentriert, das viele Kommunalverwaltungen betrifft – die Kreditaufnahme. Weshalb diese Idee noch gefehlt hat und wie sie dazu gekommen sind, erzählen uns die Gründer von CommneX in unserer Reihe „Fünf Fragen an“:

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir heißen Carl und Friedrich, sind die Gründer von CommneX. CommneX ist ein in München ansässiges FinTech Startup, welches sich auf den Bereich der kommunalen Finanzen konzentriert, sprich eine Vermittlungsplattform für Finanzierungsprodukte an Kommunen. Wir digitalisieren den Prozess der Finanzierungsbeschaffung für Kommunen und kommunale Unternehmen und öffnen so einen einfachen überregionalen Zugang zu Finanzierungspartnern. Auf der anderen Seite ermöglichen wir Finanzinstituten einen günstigen, direkten Zugang zu dem öffentlichen Kreditmarkt. Das Prinzip ist denkbar einfach, die Kommune schreibt ihren konkreten Kreditbedarf mit wenigen Klicks aus und Finanzinstitute können direkt Angebote auf diese Ausschreibungen abgeben. Der Markt läuft derzeit noch sehr analog und auch etwa per Fax ab und das ändern wir gerade.

Wie seid Ihr auf die Idee Eures Startups gekommen?

Wir haben die Idee mit einem befreundeten Professor für Finanzwesen und einem ehemaligen Bankdirektor entwickelt, der direkt mit dem Bereich befasst war. Kommunalfinanzierung ist ja eher ein Nischenthema, mit dem nicht jeder unbedingt vertraut ist, aber mit der fachkundigen Erfahrung und Unterstützung aus Praxis und Lehre waren wir sicher, nicht völlig ins Blaue hinein zu konzipieren. Erste Gespräche mit Ansprechpartnern haben uns schnell von dem Sinn unseres Vorhabens überzeugt und seitdem sind wir voll dabei! Das Nischenthema hat den Vorteil, dass natürlich wenig Konkurrenz unterwegs ist, auch wenn mittlerweile ein paar Startups auf unseren Zug aufgesprungen sind und der Markt sich langsam füllt. Andererseits hat man natürlich keinerlei Vorbilder oder Vergleichsmöglichkeiten und muss viel selbst konzipieren, was aber oft einen unbefangenen Blick auf Sinn oder Unsinn bestehender Mechanismen ermöglicht und so Potenziale freisetzen kann.

Worüber habt Ihr Euch in den letzten 12 Monaten so richtig gefreut/worüber richtig geärgert?

Als wir angefangen haben mit CommneX hat unser gesamtes Umfeld uns für verrückt erklärt und immer behauptet, wir dürfen bloß nichts mit der öffentlichen Hand anfangen, die sei verstaubt, langsam und altmodisch. Jetzt, wo wir es trotzdem machen, haben wir durchweg die gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Entscheider in den Kommunen sind blitzschnell, entscheidungs- und innovationsfreudig und aufgeschlossen für Neues. Manche auf der anderen Seite, der Bank- und Investorenseite, erfüllen jedoch vollständig das Vorurteil, was eigentlich gegenüber der öffentlichen Seite gilt. Dies sind aber natürlich auch nur Einzelfälle, es gibt auch hier eine Menge schneller, offener und innovativer Institute, mit denen wir großartig zusammenarbeiten. Dieses Missverständnis und Missverhältnis sorgt bei uns immer wieder für große Freude und bisweilen auch Ärger. Insgesamt haben wir aber eine großartige Zeit im Marktstart und sind mit großer Freude bei der Sache.

Diesen Tipp würdet Ihr jedem Gründer mit auf den Weg geben…

Uns ist klar, dass wir jetzt Startup-typische Standard-Sätze zitieren sollten, wie „Ihr müsst an Euch glauben, egal was kommt!“ oder „Wer wirklich brennt für die Sache, wird auch erfolgreich“. Aber das hat meist wenig praktischen Nutzen, so dass wir lieber einen aus unserer Sicht wichtigen Tipp geben:

Entwickelt erst ein fertiges, funktionierendes Produkt, bevor Ihr mit einer nicht ausgegorenen Idee und einem unfertigen Konzept wichtige Ansprechpartner verbrennt. Niemand wird seine bestehenden Prozesse umstellen, um Euch bei der Konzeption zu helfen oder Euch eine unfertige Idee abkaufen, daher entwickelt lieber länger im Stillen, seid dafür aber überzeugender im Markteintritt und sprecht die Kontakte dann an! Denn die Aufforderung „Ganz nett, halten Sie uns auf dem Laufenden“ ist in Wirklichkeit eine höfliche Absage…

Was wolltet Ihr in Eurer Kindheit werden und wieso?

Zu sagen „Digitale Kommunalfinanzierungsmakler“ wäre wohl wenig überzeugend, daher war es wohl eher bei Carl der klassische Polizist oder Rennfahrer und bei Friedrich wechselte es zwischen Urwaldforscher, Astronaut und Archäologe. Die Gründe sind so im Nachhinein etwas schwierig zu rekonstruieren, aber wir nehmen an, dass es daran lag, dass man da schick uniformiert waghalsige Dinge anstellen kann, ohne dass die Mutter einen schimpft – ein bisschen wie in einem Startup!

 

 

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