Fünf Fragen an: AccompaMe

Einige der Startups, die Mitglied bei Get Started sind, verbinden in ihrer Arbeit digitales und kreatives miteinander und schaffen damit auch in Branchen etwas neues, die man sonst nicht unbedingt mit digitalen Innovationen assoziieren würde. Eins dieser Startups ist AccompaMe. AccompaMe ist eine Online-Plattform, auf der Musiker kostenlos musikalische Begleitungen und Einzelstimmen suchen und bereitstellen können. Weshalb das wichtige neue Möglichkeiten in der Musikbranche bietet und wie die Gründer zu ihrer Idee gekommen sind, erzählen sie uns in unseren „Fünf Fragen an“: 

Welches Problem löst Euer Startup?

AccompaMe bietet musikalische Begleitungen und Einzelstimmen (einzelne Stimme aus einem mehrstimmigen Stück). Musiker können kostenlos eine eigene Begleitung oder Einzelstimme hochladen und den Verkaufspreis selbst wählen. AccompaMe besetzt hier eine Nische, da es eine solche Plattform für Musikbegleitungen noch nicht gab.

Man kann die Begleitungen oder Einzelstimmen herunterladen und für Übungszwecke oder für kreative Neuschaffungen von neu gemixten Stücken verwenden. Uns ist auch der Bildungsaspekt wichtig: Mit AccompaMe haben Kinder und Erwachsene, die ein Instrument erlernen, die Möglichkeit, beim Üben von Stücken auf Begleitungen zurückzugreifen. Auch das Aufführen von Stücken wird mit Hilfe der Begleitungen und Einzelstimmen von AccompaMe erleichtert. Besonders abseits der Städte profitieren Menschen von AccompaMe, dort, wo das Bildungs- und Kulturangebot mangels Musikern und Musiklehrern eingeschränkt ist.

Für professionelle Musiker bietet AccompaMe eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit und einen zusätzlichen Kanal, über den sie ihren Bekanntheitsgrad, ihr professionelles Netzwerk und ihre Auftragslage verbessern können.

Wie seid Ihr zu der Idee Eures Startups gekommen?

Gabriel Gomez hatte die Idee für AccompaMe. Er promoviert in Audio-Signalverarbeitung für Hörgeräte und singt in seiner Freizeit in Chören, als Sänger in einer Salsa-Band und als Solist in seiner Kirche. In seiner Kindheit hatte er Orgel-, Klavier und Klarinettenunterricht, und hat Kurse zu musikalischer Theorie in einer Musikhochschule besucht. Er hat im Rahmen eines Praktikums bei Sennheiser 2010 in Kalifornien mit Musikern zusammengearbeitet. Seitdem interessiert er sich für die qualitativ hochwertige Aufnahme und Wiedergabe von Musik. Die Idee zu AccompaMe kam ihm, als er selbst für seinen Gesangsunterricht ein Lied von Schubert einstudieren wollte. Er hat lange nach einer Begleitung dieses Stückes im Internet gesucht, jedoch ohne Erfolg. Die wenigen Anbieter von Musikbegleitungen hatten einige Stücke von Schubert zu bieten, jedoch nicht das von ihm ausgewählte Stück, zudem zu relativ hohen Preisen. Über die Jahre reifte die Idee, selbst eine Plattform für Musikbegleitungen zu erstellen.

Durch ein Gründer-Stipendium konnten dann die Musik-Enthusiasten Gabriel Gomez, Alexandra Petrovic und Daniel Klier endlich zur Tat schreiten, und die Plattform AccompaMe final entwickeln und gründen.

Was ist Eure Vision?

Wir wollen mit AccompaMe etwas schaffen, das MusikerInnen weltweit miteinander verbindet, in Austausch bringt, vernetzt und ihnen auch sonst viel an die Hand gibt, damit sie noch besser und zufriedener ihrer Leidenschaft nachgehen können. Professionelle MusikerInnen können mit AccompaMe ihren Bekanntheitsgrad erhöhen, ihre Stücke an den Mann und die Frau bringen – und Geld verdienen, indem sie ihre eingespielten Audio-Spuren zum Download anbieten.

Hobby-Musiker können sich Audio-Spuren zum Üben herunterladen.

Wir haben noch zahlreiche weitere Ideen in der Planung. Wir möchten z.B. das Übungs- und Lernerlebnis noch vertiefen, indem wir zukünftig mit AccompaMe Pro eine Art Master-Klasse anbieten, in der erfahrene Musiker Tutorials zu komplizierten Stücken geben.

Mit unserem AccompaMe Campus wollen wir das Modul ‚angeleitetes Lernen’ mit unserer Technologie bereitstellen: Musiker können ihre Einspielungen hochladen und erhalten über unsere Plattform eine automatisiert erstellte Analyse ihrer Interpretation, die ihnen zeigt, welche Aspekte ihrer Interpretation sie verbessern können, und wie.

Dieses Beispiel zeigt, wie nützlich eine intelligente Assistenz-Software basierend auf künstlicher Intelligenz sein kann, um das Üben von Musikstücken zu vereinfachen und intuitiver zu gestalten. Sie kann den Musikunterricht natürlich nicht ersetzen. Aber sie kann Musikern dabei helfen, ihr Üben effizienter zu gestalten und gezielt an den Schwachstellen ihrer Interpretationen zu arbeiten. Es bleiben aber ihre Interpretationen, denn unsere Software merkt nur solche Dinge zur Verbesserung an, die von mehreren professionellen Darbietungen, die wir zum Vergleich heranziehen, deutlich abweichen.

Worüber habt ihr Euch in den letzten 12 Monaten richtig geärgert/worüber richtig gefreut?

So richtig geärgert haben wir uns eigentlich bisher noch über überhaupt nichts.  Wir waren eher ein wenig enttäuscht, wenn mal eine Einreichung (Wettbewerb o.ä.) nicht berücksichtigt wurde.

Aber richtig gefreut haben wir uns mehrfach.  Zum Beispiel über die zwei Auszeichnungen, die wir bisher erhalten haben und auf die wir sehr stolz sind. Da war zum einen das EXIST-Gründerstipendium, welches uns die Möglichkeit gegeben hat, unser Portal zu bauen. Und dann der Preis im Wettbewerb ‚Digitale Innovationen‘ (BMWi/VDI).

Daneben freuen wir uns immer noch über jede neue Anmeldung auf unserem Portal und fast noch mehr, wenn weitere Musikstücke hochgeladen werden.

Wir haben über unsere Plattform auch schon einige spannenden, persönliche Kontakte aufbauen können.  Solche Kontakte empfinden wir als sehr bereichernd und schön, und sie sind auch eine unserer Hauptmotivationen.

Wie sieht bei Euch der perfekte Arbeitstag aus?

Da wir zu in verschiedenen Bereichen arbeiten, haben wir da sicher etwas unterschiedliche Gewichtungen.  Ein perfekter Alltag sieht so aus, dass wir uns Kaffee machen, dabei Klassik-Radio anmachen, uns vor den Computer setzen, nach Aktivität auf der Plattform schauen und uns über freundliche Anfragen freuen.  Danach machen wir uns an (notwendige) Weiterentwicklungen in unseren jeweiligen Bereichen und versuchen unsere vielen Ideen umzusetzen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass wir glücklich sind, wenn wir unsere Aufgaben gut und fix erledigen und parallel positives Feedback von Außen kriegen.

Wenn AccompaMe einmal ein Selbstläufer geworden ist und fast jeder Musiker AccompaMe als Inbegriff für Begleitungen, Einzelstimmen und Kompositionen kennt, wenn wir also nicht mehr so viel Mühe darauf verwenden müssen, die ersten Nutzer zum Mitmachen zu animieren – dann können wir uns den Details zuwenden wie bspw., unsere Seite noch schöner und einfacher zu gestalten.

Wenn wir uns dann täglich auch noch Zeit nehmen könnten, die tolle Musik, die unsere Nutzer hochgeladen haben, anzuhören, die schönste davon zu featuren und zu promoten und uns an der aktiven Community zu erfreuen – dann wären wir richtig zufrieden.

 

 

 

 

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