Enterprise IT ist mobil und erfordert noch mehr Umdenken – Gastbeitrag von Kai Haller

Die digitale Transformation ist das Top-Thema auf der diesjährigen CeBIT. Dazu zählt auch die zunehmende Nutzung von mobilen Endgeräten im Arbeitsalltag. Wie sich die berufliche Nutzung von Smartphones, Tablets und Co. auf die Unternehmens-IT auswirkt, beschreibt Kai Haller, Geschäftsführer von mediaTest digital und Mitglied des Bitkom-Hauptvorstands.

von Kai Haller

Die Zeit in der IT Administratoren ausnahmslos über die Unternehmens-PCs herrschten ist vorbei. Beziehungsweise haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Heutzutage muss die IT Infrastruktur anders gemanagt werden, denn sie ist zunehmend mobil. Zur diesjährigen CeBIT präsentiert BITKOM Research Umfrageergebnisse über die Nutzung von mobilen Endgeräten im Arbeitsalltag. Die repräsentative Umfrage basiert auf 1.108 teilnehmenden Unternehmen mit jeweils mehr als 20 Mitarbeitern. Mittlerweile nutzt jeder dritte Mitarbeiter in der deutschen Wirtschaft für die Arbeit ein Mobilgerät (Tablet oder Smartphone).

Was bedeutet dies genau für Unternehmen, ihre IT Sicherheit und das Management einer komplexeren IT-Infrastruktur?

An dieser Stelle ist die Fragestellung in Teilen so antiquiert wie das klassische Verwalten von fest verorteten Unternehmens-PCs durch IT Administratoren. Weshalb? Weil die Fragestellung in keiner Weise die Anwenderperspektive der Mitarbeiter berücksichtigt hat – bis dato. Denn Unternehmens IT hat sich nicht nur in Bezug auf die Nutzung der technischen Geräte drastisch verändert, sondern auch bei der Einflussnahme auf die und der Erwartungshaltung an die IT-Infrastruktur-Rahmenbedingungen durch Mitarbeiter. Will man heutzutage motivierte, effektive und produktive Mitarbeiter beschäftigen, sind deren gelerntes Anwendungsverhalten und ihre Erwartungshaltung bei der Nutzung von mobilen Endgeräten zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang spricht man von Nutzer-zentrierter IT oder etwas weiter gefasst dem End User Computing.

Anders ausgedrückt: Eine strikt reglementierte mobile IT Infrastruktur seitens des Arbeitgebers ohne die Berücksichtigung der Mitarbeiter-Bedürfnisse bei mobilen Arbeitsprozessen steigert heutzutage nicht gerade die Attraktivität des Arbeitgebers. Ist der Unterschied zwischen dem privaten Anwendungsverhalten im Vergleich zum beruflich vorgeschriebenen Anwendungsverhalten  bei mobilen Endgeräten zu groß, werden Mitarbeiter das Potenzial, welches betrieblich genutzte Endgeräte für die Arbeitsprozesse entfalten sollen, in keiner Weise ausschöpfen und sich im Zweifel nur in Pflichtsituationen mit den Geräten auseinandersetzen. Unternehmen steht deshalb ein großer Balanceakt bevor, denn besonders die neue Generation Arbeitnehmer und heutige Berufseinsteiger haben klare Vorstellungen davon, wie sie anhand technischer Rahmenbedingungen ihre beruflichen Aufgaben und Herausforderungen meistern möchten.

Oberbegriffe lassen deutliche Weiterentwicklung einer jungen Branche erkennen

Seitdem Mobility ein fester Bestandteil der Unternehmens IT geworden ist, befindet sich dieses Feld in einem ständigen Wandel bzw. in einer Weiterentwicklung. Die Evolution der Oberbegriffe zeigt deutlich anhand welcher Schwerpunkte die Steuerung bzw. das Verwalten von mobilen Endgeräten in Unternehmen in den letzten Jahren geprägt wurde:

Mobile Device Management (MDM) – Steuerung der mobilen Endgeräte rein aus Unternehmenssicht und total auf das Gerät fokussiert.

Enterprise Mobility Management (EMM inklusive u.a. Mobile Application Management (MAM) und Mobile Content Management (MCM)) – Steuerung der mobilen Endgeräte hauptsächlich aus Unternehmenssicht mit optimierten, granularen Bausteinen, die erste Nutzerbedürfnisse in Betracht ziehen sowie erzeugte Daten (Content) und Software (Apps) managebar machen.

Ab jetzt Änderung des Mindsets: von ausschließlich Top-down zu mehr Bottom-up

End User Computing (u.a. Bausteine wie bei EMM) – Bei der Steuerung der mobilen Endgeräte (MDM), der Software/Apps (MAM) und den erzeugten Daten (MCM) erfolgt eine verstärkte Einbeziehung der Nutzerbedürfnisse von Mitarbeitern im Unternehmensalltag. Unternehmensseitig wurde erkannt, dass sich die mobile Unternehmens IT nur dann effektiv und produktiv auf den Arbeitsalltag auswirkt, wenn sich der Arbeitgeber das bereits erlernte Anwendungsverhalten seiner Mitarbeiter besser und in seinem Sinne zu Nutze macht statt die Reglementierungen der alten IT Infrastruktur direkt auf die mobile IT Infrastruktur zu übertragen.

Die Branche wird zunehmend erwachsen

Alle Marktteilnehmer bzw. Lösungsanbieter, die unter das Segment des End User Computings fallen, haben in kürzester Zeit enorme Entwicklungszyklen durchlebt. Neben den großen, bereits etablierten Playern habe auch kleine, junge Player alle ihre Daseinsberechtigung. Es treten mehr und mehr Synergieeffekte zwischen den Anbietern mit ihren jeweiligen Expertisen in Kraft, die weitere Vorteile für die Nutzer der Lösungen bedeuten. Trotzdem ist und bleibt End User Computing ein anspruchsvolles Setting mehrerer Services, da aufgrund der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit mobiler Betriebssysteme und Millionen von Apps immer neue Herausforderungen berücksichtigt werden müssen. Die Lösungen sind mittlerweile jedoch unabdingbar für den Großteil von Unternehmen, die abhängig von einer zeitgemäßen IT Infrastruktur sind. Zum Erwachsen werden einer jungen Branche gehört es wie anderswo auch dazu, dass es zu Mergers und Marktbereinigungen kommen wird. Es bleibt also für alle Beteiligten spannend.

 

 

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