Rasante Digitalisierung im Stall und auf dem Acker

Ob Hightech-Mähdrescher, smartes Fütterungssystem oder Bewegungssensoren in der Tierhaltung: Die Landwirtschaft entwickelt sich rasant zu einer digitalisierten Branche. Schon heute nutzt mehr als jeder Zweite in der Branche (53 Prozent) digitale Lösungen. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unterstützt vom Deutschen Bauernverband (DBV) unter 521 Landwirten und Lohnunternehmern. Lohnunternehmer arbeiten als Dienstleister für Landwirte.

Auf dem Acker arbeiten Landmaschinen GPS-gestützt und sensorgesteuert. So kann der Landwirt die Entwicklung und die Nährstoffversorgung von Pflanzen punktgenau beobachten und steuern. Im Stall misst währenddessen die Technik die Gesundheits- und Leistungsdaten jedes einzelnen Tiers und ermöglicht so eine individuelle Betreuung. Landmaschinen, mit denen die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenpflege und Ernte digital erfolgt, nutzen bereits vier von zehn (39 Prozent) Landwirten beziehungsweise Lohnunternehmern. Mit einer digitalen tierindividuellen Fütterung versorgt heute schon jeder zweite Landwirt (51 Prozent) seine Tiere.

Fütterungsautomaten sichern eine alters- und leistungsoptimierte Ernährung des einzelnen Nutztieres und alarmieren den Landwirt, wenn es bei der Fütterung Probleme gibt. So werden zum Beispiel kranke Tiere, die zu wenig fressen, sofort erkannt. Roboter sind bei 8 Prozent aller Betriebe im Einsatz, besonders stark verbreitet wiederum in der Tierhaltung: Mehr als ein Drittel (37 Prozent) setzt auf die Robotertechnik, mit der zum Beispiel der Stall gesäubert oder das Melken tiergerechter durchgeführt werden kann.

Die Zukunft auf dem Feld: Drohnen, fahrerlose Traktoren und Feldroboter

Neun von zehn Befragten (88 Prozent) sagen, dass die Digitalisierung die Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft erhöht. Beinahe ebenso viele (86 Prozent) sehen dank digitaler Technologien eine umweltschonendere landwirtschaftliche Produktion, weil Sensoren exakt den Bedarf der Pflanzen ermitteln und deshalb Dünge- und Pflanzenbehandlungsmittel punktgenau ausgebracht werden können – nur dort, wo sie benötigt werden. Dank der Digitalisierung wird auch präziser und damit wassersparender bewässert. Drei Viertel (75 Prozent) der Befragten meinen, dass sie dank digitaler Technologien langfristig ihre Kosten senken können. 67 Prozent sagen, dass Smart Farming auch die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verbessert.

Befragt nach Zukunftsszenarien für das Jahr 2030 sehen 43 Prozent der Befragten den Einsatz autonomer Feldroboter als sehr weit verbreitet oder eher verbreitet an. Auf noch höhere Werte kommt der Einsatz von Drohnen (45 Prozent) und fahrerlosen Traktoren (49 Prozent). Die Mehrheit der Landwirtschaftsexperten denkt außerdem, dass die Digitalisierung den Verbraucher näher an den Hof bringt: 49 Prozent meinen, dass es in knapp 15 Jahren ein verbreitetes Szenario sein wird, dass die Verbraucher per Webcam in den Stall schauen können.

Digitale Landwirtschaft: Startups als Treiber

Die Entwicklung digitaler landwirtschaftlicher Technologien hängt auch maßgeblich mit der Unterstützung neuer Ideen zusammen. Die aktive Förderung von Neugründungen und die Vereinfachung des Markteinstiegs für Startups ist daher ein ausschlaggebender Faktor für die Erhaltung und Stärkung der deutschen Wirtschaftskraft. Startups bieten eine hohe Innovationskraft und ermöglichen durch flache Hierarchien und schlanke Prozesse oft schnellere Umsetzung als etablierte Unternehmen. Industriepartner verfügen über die betrieblichen Mittel (Maschinen etc.), die Startups benötigen um ihre Lösungen auf den Markt zu bringen. Im Gegenzug haben die Industriepartner die Möglichkeit, auf externe Innovationen zurückgreifen und aus der Arbeitsweise der Startups zu lernen. Durch eine Kooperation können Innovationen schneller realisiert werden und somit beide davon profitieren.

Gründern sollten dabei keine Steine in den Weg gelegt werden. Vor allem die Gründungs- und Startphase muss entbürokratisiert werden. Sobald gegründet wird, entstehen administrative Kosten und zusätzlich substanzieller zeitlicher Aufwand. Verwaltungsaufgaben und gesetzliche Auflagen sollten daher für vier Jahre auf ein unverzichtbares Minimum begrenzt werden, sodass alle Ressourcen zur Entwicklung des Produktes und Erschließung des Marktes zur Verfügung stehen. Dadurch wird eine agilere und innovativere Entwicklung junger Unternehmen gefördert.

Digitale Landwirtschaft

 

 

 

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