Der Staat als Kunde – Fünf Forderungen für einen innovativen öffentlichen IT-Einkauf

Öffentliche IT-Aufträge sind für Startups besonders reizvoll: Zum einen muss man sich um die Bonität des Auftraggebers wenig Sorgen machen. Bevor der Staat zahlungsunfähig ist, geraten andere Dinge aus den Fugen. Zum anderen sind staatliche Institutionen in der Referenzliste ein großes Plus. Für junge Unternehmen mit hochinnovativen Produkten kann dies das Zünglein an der Waage etwa für Folgegeschäfte bedeuten.

Auch für den Staat ist es vorteilhaft, von vornherein die Beauftragung von Startups zu berücksichtigen. Als größter IT-Einkäufer in Deutschland mit einem Umsatz von ca. 20 Mrd. EUR pro Jahr könnte er durch einen strategisch ausgerichteten Einkauf starke Entwicklungsimpulse setzen. Bereits ein Prozent dieser Summe ergäbe ein stattliches Innovationspaket von ca. 200 Mio. EUR. Eine Vielzahl von Startups würde mit neuen und maßgeschneiderten Lösungen um öffentliche Aufträge konkurrieren. Ohne Aussicht auf Geschäft werden innovative Lösungen etwa für das staatliche E-Government nicht proaktiv entwickelt.

Der Staat tut sich äußerst schwer damit, öffentlichen IT-Einkauf und Startups zusammenzubringen. Oft prallen die Angst der Beschaffer vor dem Scheitern einer Vergabe und der Unternehmergeist der Startups direkt aufeinander. Nach dem Vergaberecht aber sind die Belange von kleinen und mittelständischen Unternehmen bei Ausschreibungen vornehmlich zu berücksichtigen. Damit dieser Grundsatz kein bloßes Feigenblatt ist und ein innovationsfreundliches Beschaffungsklima herrscht, haben wir fünf Vorschläge für den öffentlichen IT-Einkauf aufgestellt.

Den öffentlichen Einkauf innovativ gestalten

  • 1. Strategisch einkaufen

Die Leitungsebene in den Behörden muss sich für einen innovativen strategischen Einkauf entscheiden, mit dem die nachgeordneten Bedarfsträger und Vergabestellen ihre IT-Beschaffungen für innovative junge Unternehmen öffnen. Zur persönlichen Absicherung stellen Ausschreiber vielfach überzogene Anforderungen an die Unternehmen, bei denen Startups letztlich keine Chance auf den Zuschlag haben.

  • 2. Budgets vorausschauend planen

Im Hinblick auf disruptive Technologien oder innovative Alternativlösungen sollte die Budgetplanung laufend überdacht und gegebenenfalls im Voraus entsprechend angepasst werden. Es kann schnell der Fall auftreten, dass eine neue insgesamt günstigere und hochwertigere Einzeltechnologie mit zusätzlichen Mehrwerten nicht eingekauft werden kann, weil die Budgets noch auf die Beschaffung mehrerer Technologien ausgerichtet sind.

  • 3. Startups in Markterkundung berücksichtigen

Noch bevor die Leistungsbeschreibung erstellt wird, sollten sich die öffentlichen Auftraggeber ein möglichst vollständiges Bild von den angebotenen Lösungen und den jeweils dahinter stehenden Unternehmen machen. Auch Startups müssen hierbei ein fester Bestandteil der Analyse sein.

  • 4. Funktional ausschreiben und Nebenangebote zulassen

Die öffentlichen Auftraggeber müssen eine funktionale Leistungsbeschreibung erstellen, bei der nicht die Technologie, sondern das gewünschte Ergebnis im Mittelpunkt steht. Ein Wettbewerb um die effektivste Lösung ist unerlässlich. Gleichzeitig sollten Nebenangebote zugelassen werden.

  • 5. Angemessene Eignungsanforderungen schaffen

Von den Unternehmen zu erfüllende Mindestumsätze und Mindestmitarbeiterzahlen müssen auf ein verhältnismäßiges Maß reduziert werden. Dabei dürfen lediglich die tatsächlichen Risiken für die Leistungserbringung eine Rolle spielen. Es droht andernfalls in besonderem Maße die Gefahr, innovative und junge Unternehmen vom Wettbewerb vollständig auszuschließen.

 

Der Staat als Kunde von Startups - Fünf Forderungen für einen innovativen öffentlichen IT-Einkauf

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.