Der Bauernhof 4.0 wird auch von Startups bewirtschaftet

Ein Häppchen hier, ein Gläschen dort – für den Besucher ist die Grüne Woche, die gerade in Berlin stattfindet, wie ein Gang durch eine überdimensionale Markthalle mit Einlasskontrolle. Doch zwischen Spreewaldgurken, selbstgebranntem Schnaps und Schmalzschnittchen geht es für die ausstellenden Landwirte auch oft ums Eingemachte: Russland-Embargo, sinkende Verkaufspreise, Kritik von Umwelt- und Tierschützern. Die Kernfrage bei alledem: Wie können hohe Lebensmittelqualität, Umweltstandards und Tierwohl bei schwieriger werdenden Marktbedingungen sichergestellt werden? Und zwar so, dass der Bauer von seiner Arbeit vernünftig leben kann?

Die Antwort auf diese Frage ist vermutlich ähnlich komplex wie das EU-Regelwerk für Agrarsubventionen. Ein Teil der Antwort lautet aber auf jeden Fall: durch innovative digitale Technologien. Dabei geht es nicht nur um die inzwischen inflationär zitierte Kuh, die SMS schickt, wenn das Kalb kommt, oder den selbstfahrenden Hightech-Mähdrescher. Gerade junge Unternehmen punkten oft mit simplen und zugleich hochintelligenten Lösungen. Die Beispiele reichen von Software für die Futtermittelzusammensetzung mit dem Fokus auf die Tiergesundheit (Fodjan), über Farmmanagement-Plattformen (green spin) bis hin zu automatischen Erdtemperatur-Messsystemen für die Spargelzüchtung (Deepfield Robotics). Der Bauernhof 4.0 – er wird auch von Startups bewirtschaftet.

Allen Ideen gemein ist, dass sie Landwirtschaft effizienter und kostengünstiger machen. Politiker wie EU-Kommissar Günter Oettinger und Staatsekretärin Dorothee Bär haben das erkannt und plädieren dafür, dass sich Landwirte auf die neuen Trends einlassen. Und auch die Branche hat das Potenzial der Digitalisierung in vielen Fällen schon für sich entdeckt: Laut einer Bitkom-Befragung von rund 100 Landwirten nutzt bereits jeder fünfte Betrieb digitale Anwendungen. Das heißt aber umgekehrt auch, dass sich viele noch nicht an die digitale Landwirtschaft herantrauen. Rund 80 Prozent der Befragten sagen, dass viele Landwirte noch zu zögerlich sind, was den Einsatz digitaler Technologien angeht. Oft steckt dahinter die Sorge vor möglicherweise hohen Investitionen.

Die Zögerlichkeit ist einerseits nachvollziehbar. In ohnehin harten Zeiten kann jede Investition ein Risiko bedeuten, und das einzugehen wird nicht einfacher dadurch, dass die Digitalisierung für viele Landwirte absolutes Neuland ist. Doch die Sorgen sind auch oft unbegründet. Es muss nicht immer gleich die teure Landmaschine sein. Oft können schon einfache Anwendungen große Arbeitserleichterungen und Kostenersparnis bringen. Zudem gibt es die Möglichkeit, Betaversionen zu nutzen und zu testen. Das spart Geld, reduziert Risiko und gibt Landwirten die Möglichkeit, einen Einblick in neue Technologien zu erhalten, der ihnen sonst womöglich verschlossen bliebe.

Die ausführlichen Ergebnisse aus der Bitkom-Landwirtschaftsbefragung 2015 sind unter folgenden Links verfügbar:

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Industrie 4.0-Studie, die Bitkom Research im Frühjahr 2015 im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 101 Landwirte befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.

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