Politik für Startups: Folgende Aspekte sind uns wichtig! – Gastbeitrag von Tame-Gründer Torsten Müller

Von Torsten Müller

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie,  bat jüngst beim ersten GetStarted Gründerfrühstück zum Thema Politik und Startups um konkrete Verbesserungsvorschläge in puncto Startupfinanzierung und -förderung. Wir freuen uns, dass es diese Möglichkeit des direkten Austauschs gibt.

Zum Hintergrund: Wir (Tame) wurden als Spin-off der Humboldt Universität mit Exist gefördert, konnten eine Finanzierungrunde per Crowdinvesting auf der Plattform Companisto.de abschließen, und nahmen am German Accelerator teil. Wir sind dankbar und froh, dass es diese Programme und Crowdinvesting gibt – denn ohne sie wäre unser Unternehmen vielleicht nie gegründet worden. Insbesondere Exist führt dazu, dass die Entscheidung für die eigene Gründung leichter fiel, da es unsere Existenz absicherte und wir uns voll auf unser Projekt konzentrieren konnten. Via Crowdinvesting gelang es uns, die so wichtige Anschlussfinanzierung nach Exist zu bekommen.  Mit dem German Accelerator erhielten wir die Chance, das Silicon Valley Mindset und den amerikanischen Markt kennenzulernen.

Folgende Aspekte sind uns wichtig:

  1. Kleinanlegerschutzgesetz bzw. Crowdinvesting: Höherer Deckelbetrag, kein Werbeverbot in sozialen Medien, keine Prospektpflicht bei Crowdinvesting, damit Deutschland nicht ein seltener Wettbewerbsvorteil genommen wird.

Mit Crowdinvesting hat Deutschland mal einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den USA (und anderen führenden Nationen in Sachen Startupfinanzierung), den es im Begriff is zu verspielen. Der junge und stark wachsende Crowdinvestingmarkt bietet Startups eine Alternative zu rar gesäten Business Angels und gibt auf der anderen Seite den Bürgern eine Möglichkeit, in Startups zu investieren, die herkömmliche Anlagemethoden nicht bieten, da es schließlich kein Börsensegment für Startups gibt oder Rentenfonds in junge Unternehmen investieren dürfen.

Mit einer Deckelung des Maximalbetrags einer Crowdinvestingrunde, einem Medienbruch durch Ausdrucken der Verträge, einer mit sehr hohen Kosten verbundenen Prospektpflicht wie bei Aktiengesellschaften und schließlich einem Quasi-Werbeverbot in sozialen Medien nimmt die Politik dem Crowdinvesting seine zentrale Stärke: Die Dynamik und Unkompliziertheit.

Daher haben wir auch Input zum Positionspapier des BITKOM zum Kleinanlegerschutzgesetz gegeben. Darin werden die im Gesetzesentwurf dringend benötigten Anpassungen erläutert.

Herr Machnig: Helfen Sie, dass Deutschland einen Standortvorteil behält und somit Startups auf der Suche nach Finanzierung nicht auf ausländische Plattformen abwandern.

 

  1. Exist: Weniger involvierte Stellen bei Bewilligung von Sachmitteln bei Exist bzw. Pauschalbudget und Schlussprüfung.

Wie eingangs erwähnt, ist Exist ein Segen für die Gründerszene, der auch im Ausland immer wieder Bewunderung hervor ruft. Unserer Meinung nach wäre das Programm mit ein paar kleinen Verbesserungen wesentlich effektiver.

Zum Beispiel muss Sachmittelausgabenbewilligungsprozess verschlankt werden. Derzeit sind vom Ausgründungsinstitut, über den Mentor, hin zur Forschungsabteilung, Zahlungsstelle und schließlich dem Projektträger Jülich mindestens fünf Stellen in jede Entscheidung über eine Anschaffung involviert. Urlaubsausfälle oder auch nur kleinste Formfehler verzögern den Prozess, so dass Exist-Gründer nach einigen Monaten Einarbeitungszeit viel Erfahrung im Ausfüllen mit roten und gelben Formularen haben, aber oft keinen vorzeigbaren Prototypen für ihr Produkt.

Vorschlag: Warum zahlt man Teams das gesamte Budget, verbunden mit klaren Richtlinien hinsichtlich der Verwendung, nicht aus? Nach Projektende wird geprüft und ggf. muss dann zurückgezahlt werden, wenn gegen die Auflagen verstoßen wurde.

 

  1. Invest: Beim Zuschuss Wagniskapital sollte wieder ermöglicht werden, dass Investoren ohne Bezahlung mit dem Unternehmen in der Geschäftsführung verbunden sein können.

Vor einem Jahr wollten wir unserem neuen Investor, der gleichzeitig auch operativ als Geschäftsführer an Bord kam, mit Invest für sein Engagement belohnen. Ein Blick in die Richtlinien besagte damals, dass Investoren, die zwar in der Geschäftsleitung tätig sind, aber kein Gehalt beziehen, förderungsfähig seien. Bei einer just zu dieser Zeit eingeführten Richtlinienänderung wurde diese Möglichkeit gestrichen, wenn auch nicht prominent kommuniziert, und manche Dokumente auf der Internetseite des BMWi wurden auch erst nach einem klärenden Telefonanruf aktualisiert.

 

  1. Mindestlohn: Ausnahmeregelung beim Mindestlohn für innovative Startups.

Das Thema Mindestlohn trifft Startups an der zweitwichtigsten Stelle: Geld. 1440 Euro zahlen sich insbesondere in der Frühphase oft nicht mal die Gründer selbst aus. Praktikanten bekommen zudem spannende Einblicke in den Unternehmensaufbau und wichtige praktische Erfahrungen durch die Gründer vermittelt. Im Gegenzug wird oft kein volles Gehalt gezahlt bzw. auch nicht unbedingt erwartet. In unserem Fall haben wir Studenten vergütete Praktika ermöglicht, aber auch Absolventen eine Chance gegeben, sich für eine Festanstellung zu empfehlen, was in mehreren Fällen sogar erfolgt ist. Praktika sind auch ein hervorragendes Mittel, jungen Leuten ein Gründergen einzupflanzen.

Praktikanten werden durch das Mindestlohngesetz zu einem Luxus, den sich Startups nicht mehr leisten können. Und selbst wenn es Ausnahmen für Studienpraktika gibt: Die damit verbundene Bürokratie und grundsätzlich das Ausfüllen von Stundenzetteln nimmt dem Unternehmen wiederum sein wichtigstes Gut: Zeit und Fokus auf die wesentlichen Dinge wie Produktentwicklung und Marktvalidierung.

Daher wäre es sinnvoll, wenn die Politik eine Ausnahme für innovative Startups nachdenken könnte.

 

  1. German Accelerator: Schärft das Profil des GA, und teilt das Programm in Bootcamp und Expansionsbeschleuniger ein.

Mehr ein Hinweis, als eine konkrete Forderung: Der German Accelerator ist unserer Erfahrung nach hervorragend geeignet, um Unternehmern das Silicon Valley Mindset näher zu bringen – oder um tatsächlich einen weiteren Markt zu erobern. Startups, die sich wie wir noch in der Phase zwischen Gründung und Marktvalidierung befinden, erliegen dem schwer zu widerstehenden Lockruf des Valleys zu einem nicht optimalen Zeitpunkt, und investieren viel Zeit und Geld.

Um das Profil des Programms noch besser zu schärfen, wäre daher eine Aufteilung sinnvoll: Für Startups in der Vorgründungsphase wäre der GA ein Silicon Valley Entrepreneur Bootcamp, während die im Heimatmarkt etablierten Unternehmen gezielt die Expansion vorantreiben können.

Der Accelerator könnte die sich bewerbenden Startups hingehend des besten Programmszeitpunkts beratend unterstützen und so die Gründer zu einer klareren Zielstellung bei einer so wichtigen Entscheidung verhelfen.

 

Torsten Müller ist Gründer & CMO vom Berliner Startup Tame. Torsten ist für Unternehmens­kommunikation, Marketing und Vertrieb verantwortlich. Er verfügt über drei Jahre Berufs­erfahrung als freier Journalist für Online und Print (u.a dpa, stern.de, Zeit Online) im In- und Ausland und zwei Jahre in Public Relations und Marketing (Volontariat in einer Full-Service-Agentur mit internationalen Kunden im ICT-Bereich). Torsten hat einen Master of Arts in Medien­wissen­schaften der Universitäten Hamburg und Aarhus.

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