Get Started Health Network #5: Datenschutz und Digital Health

Datenschutz und immer wieder Datenschutz. An dem Thema kommt kein Startup im Gesundheitsbereich vorbei – zu wichtig ist der sichere Umgang mit sensiblen Patientendaten. Bei unserem letzten Health Network in Hamburg haben wir das Thema daher aus praktischer Perspektive unter die Lupe genommen. Was ist die richtige Balance zwischen notwendigem Schutz der Nutzerdaten und der Möglichkeit einer schnellen Umsetzung innovativer digitaler Versorgungsprodukte? Hat Datenschutz das Potenzial zum USP deutscher E-Health-Lösungen? Welche Ansprüche haben Kliniken und Kassen an den Datenschutz digitaler Versorgungsangebote? Wie sehen die Herausforderungen für Startups in der Praxis aus? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns Impulse von unterschiedlichen Playern im Gesundheitswesen angehört.

Herausforderung Datenschutz

Jörg Land (Sonormed) hat den Aufschlag gemacht und kurz seine Erfahrungen mit dem Thema als Gründer geschildert. Als Startup müsse man dort über die gleichen Hürden springen, wie die großen Unternehmen. Das sei zwar richtig so, denn der Datenschutz ist wichtig, bedeutet aber einen hohen Aufwand und auch viele Kosten. Er berichtete auch von Erfahrungen mit Medizinern, die auf der einen Seite Datenschutz als extrem wichtig ansehen, aber gleichzeitig Diagnosen unverschlüsselt per E-Mail versenden würden oder Arztbriefe in ihr Smartphone diktieren und in der Cloud speichern. Das gefällt dann zwar dem Patienten, ist aber aus Perspektive des Datenschutzes kritisch zu sehen.Datenschutz und Digital Health - Health Network #5

Im Anschluss stellte Oliver Rong (Asklepios) die Krankenhausperspektive dar. Dabei beschrieb er die Trends, die den Versorgungsalltag im Krankenhaus drastisch verändern. Außerdem ging er die Anforderungen ein, die sich daraus für den Datenschutz ergeben. Hier sieht er eine aktive Rolle für den Dateneigentümer und das Potential Einwilligungen zu nutzen.

PKV und GKV – welche Daten dürfen die Krankenkassen nutzen?

Vom Provider ging es dann zur Perspektive der Payer: die Krankenkassen. In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Krankenkassen. Fundamentale Unterschiede gibt es dabei zwischen privaten und gesetzlichen Krankenversicherern. Das haben uns auch Gregor Drogies (DAK) und Folke Tedsen (HanseMerkur) gezeigt.

Gregor Drogies schilderte, in welchen Spannungsfeldern sich die DAK als gesetzliche Krankenkasse bewegt und wie Gebote und Anforderungen – beispielsweise aus dem SGB – nicht zur Dynamik digitaler Versorgungsangebot passen. Er betont außerdem, dass neben dem Datenschutz auch die Frage nach der Nutzung der Daten für die Kasse relevant ist. Als gesetzliche Krankenkasse hat die DAK den klaren Auftrag nicht zu diskriminieren. Daher darf sie viele Daten, die eine großen Nutzen bringen könnten – beispielsweise weil sie Patienten vorwarnen könnten – nicht verwenden.

Datenschutz und Digital Health - Health Network #5Folke Tedsen stellte mit der HanseMerkur die Sicht einer privaten Krankenkasse dar. Im Vergleich zu den gesetzlichen Krankenkassen können private Krankenkassen mehr Daten verwenden, wenn die Versicherten zustimmen. Tedsen sieht hierbei drei große Trends: die personalisierte Medizin, digitale Versorgungsangebote und Big-Data-Analytics. Letztere haben beispielsweise ein großes Potential für Risikoanalysen. Datenschutz ist dabei wichtig, erklärt auch Folke Tedsen. Er glaubt gleichzeitig, dass die aktuelle Skepsis gegenüber der Verwendung von Daten im Gesundheitswesen sich überwinden lässt, weil die Chancen überwiegen.Datenschutz und Digital Health - Health Network #5

Datenschutz ist kein einfaches Thema, ein Projekt wird daran jedoch auch nicht scheitern

Weil Datenschutz schließlich vor allem ein juristisches Thema ist, hat Dr. Stefan Alich von TaylorWessing die Runde mit einer juristischen Perspektive vervollständigt. Er erklärte, welche Regeln wann angewendet werden müssen und auch welche Änderungen sich durch neue gesetzliche Entwicklungen ergeben. Eins hat er klar gestellt: Datenschutz ist kein einfaches Thema, ein Projekt wird daran jedoch auch nicht scheitern. Hier konnten die beiden Kassenvertreter und Oliver Rong zustimmen, denn es käme am Schluss auf das Gesamtpaket an. Dafür brauche es Business Modelle, die an die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kassen, Krankenhäusern, etc. angepasst seien.

Fragen und Diskussionsbedarf gab es nach den kurzen Vorträgen viele. Deshalb hatten alle Beteiligten, darunter Startups, mehrere Krankenkassen, etablierte Unternehmen und auch Vertreter des Gesundheitsministeriums, die extra aus Berlin anreisten, anschließend die Möglichkeit, sich im kleinen Kreis in lockerer Atmosphäre auszutauschen. Auch bei zukünftigen Treffen des Health Network wollen wir unterschiedliche Player vernetzen und einen produktiven Austausch ermöglichen. Ihr seid auch ein Health Startup und wollt beim nächsten Treffen dabei sein? Dann schreibt einfach eine Mail an Christian. Alle Informationen findet ihr auch hier: Get Started Health Network.

 

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